lieben,glauben,kämpfen-leben!

Aufwachen ist die einzige Chance,die wir haben!
 
 

"Wann werden Sie leben? Wann?

Wann werden Sie lernen, sich an jedem Atemzug zu freuen? Atmen Sie jetzt ein und aus. Und alles, was Sie in diesem Augenblick gefühlt haben, kehrt nie mehr zurück. Das ist alles!
Stellen Sie sich vor, es könnte kein zweites Ein- und Ausatmen mehr kommen. Was Sie jetzt fühlen, was Sie jetzt sehen, wer sich jetzt neben Ihnen befindet, daraus setzt sich das Leben zusammen. Denken Sie nicht nur an den morgigen Tag, sondern räumen Sie schon heute auf mit Ihren Forderungen ans Leben, den Kränkungen, dem Ärger usw. usf.
Verschieben Sie Ihr Leben nicht auf morgen, leben Sie, lieben Sie, kreieren Sie, freuen Sie sich heute, jetzt! Jajaja! Gerade jetzt, mein Lieber!"

(aus: "Eselsweisheiten - Der Schlüssel zum Durchblick oder wie Sie ihre Brille loswerden" von Mirsakarim Norbekov, S.160)

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"Ich werde dich zeugen, mein Engel"

"Der Unternehmer Viktor Chadow wachte im Morgengrauen auf. Neben ihm auf dem breiten Bett schlief süß und selig seine junge Geliebte. Der feine Stoff der Bettdecke umschmiegte ihre zierlichen weiblichen Formen.

Jedes Mal, wenn sie zusammen auf einem Bankett oder im Hotel des eleganten Kurortes auftauchten, zog sie die neidischen, lüsternen Blicke der Männer auf sich. Außerdem verfügte Inga - so hieß die schlafende Schönheit - über ein reizendes Lächeln und erweckte den Eindruck einer weltoffenen, gebildeten Frau. Viktor hatte eine große Schwäche für Inga, und so hatte er ihr eine Vierzimmerwohnung gekauft, sie ultramodern eingerichtet und Inga einen Satz Schlüssel gegeben. Manchmal, wenn sein dicht gedrängter Terminplan es erlaubte, blieb er ein oder zwei Nächte bei ihr. Er war der fünfundzwanzigjährigen Frau für die berauschenden Nächte und den Verkehr mit ihr dankbar, hatte aber nicht die Absicht, sie zu heiraten, denn er verspürte keine besondere Liebe zu ihr. Außerdem war ihr Altersunterschied beträchtlich. Er war 38 und sie 25. Ihm war klar, dass sie sich in ein paar Jahren nach einem jüngeren Liebhaber umsehen würde. Mit ihrer Figur und ihrem Köpfchen würde sie dabei leichtes Spiel haben. Wenn er sie jedoch heiratete, so dachte er, würde er sie in die Kreise einflussreicher Geschäftsleute einführen und ihr sogar noch dabei helfen, irgend so einen jungen Schnösel abzuschleppen.

Inga drehte sich im Schlaf lächelnd zu ihm um, wobei die Bettdecke leicht verrutschte und den Blick auf ihren verführerischen, formvollendeten Busen freigab. Doch heute empfand Viktor beim Anblick ihres halbnackten Körpers keine Erregung. Vorsichtig deckte er die Schlafende zu, stand leise auf und ging in die Küche.
Er machte sich einen Kaffee, zündete sich eine Zigarette an und ging in der geräumigen Essküche auf und ab. Was ihm keine Ruhe lies, war sein ungewöhnlicher Traum der vergangenen Nacht. Nicht sein Verstand, nein, ausgerechnet seine Gefühle hatte dieser Traum aufgepeitscht. Viktor hatte geträumt, dass er eine schattige Allee entlangging und fieberhaft über die Zweckmäßigkeit seines nächsten Geschäftsvorhabens nachdachte. Vor und hinter ihm gingen seine Leibwächter, durch deren Anwesenheit er sich in seiner Konzentration gestört fühlte. Außerdem lenkte ihn der stetige Lärm der Autos ab, die hinter der Einzäunung des Parks vorbeifuhren. Auf einmal waren seine Leibwächter verschwunden und auch der Verkehrslärm verstummte. Er hörte den Gesang der Vögel und sah das Frühlingslaub der Bäume und die Blüten der Büsche. Er hielt inne und erfreute sich an den sanften Gefühlen, die in ihm aufkamen. Er fühlte sich so wohl wie noch nie in seinem Leben. Da sah er auf einmal, wie ihm von weitem ein kleiner Junge auf der Allee entgegenlief. Die Sonne schien von hinten auf ihn und bildete um seinen Kopf eine Aureole, sodass Viktor den Eindruck hatte, ihm liefe ein kleiner Engel entgegen.

Im nächsten Moment kam es ihm: Wer ihm da so stürmisch entgegenlief, das war sein kleiner Sohn! In Vorfreude auf die Begegnung hockte Viktor sich mit offenen Armen hin, und auch sein Sohn öffnete im Lauf die Arme. Plötzlich blieb der Kleine stehen, drei Meter vor Viktor. Das Lächeln auf seinen Lippen erstarb, und der ernste Blick der Kinderaufgen ließ Viktors Herz stärker schlagen.
'Komm her, mein Sohn, komm zu mir und lass dich umarmen!'
Der Kleine antwortete mit traurigem Lächeln: 'Das wirst du nicht können, Papa.'
'Wieso nicht?', wunderte sich Viktor.
'Du kannst mich nicht umarmen, Papa', erwiderte der Kleine schwermütig, 'weil es nicht möglich ist, einen ungeborenen Sohn zu umarmen. Du hast mich doch noch gar nicht gezeugt.'
'Dann umarme du mich, mein Sohn. Komm!'
'Es ist nicht möglich, seinen künftigen Vater zu umarmen.'
Der kleine Bub versuchte zu lächeln, doch über seine roten Bäckchen kullerten Tränen. Dann drehte er sich um und ging mit gesenktem Kopf die Allee hinab.

Viktor kniete auf dem Weg, unfähig, sich vom Fleck zu rühren. Der Kleine ging weg, und mit ihm schwand auch das schöne, wohlige Gefühl. Von ferne hörte er allmählich wieder das Rauschen der Autos nahen. Viktor konnte sich weder bewegen noch etwas sagen, doch mit letzter Kraft schrie er auf: 'Geh nicht fort! Wohin gehst du, mein Sohn?'
Der Kleine drehte sich um und sprach: 'Ich gehe nirgendwohin, Papa. Ins unendliche Nirgendwo.' Er schlug seine Augen nieder, schwieg eine Weile und ergänzte dann: 'Tut mir Leid, Papa, wenn ich nicht geboren werde, kann ich dir nicht helfen, wiedergeboren zu werden.'
Gesenkten Hauptes entfernte sich der kleine Engel und war alsbald verschwunden, als hätte er sich in den Strahlen der Sonne aufgelöst.

Der Traum war vorüber, geblieben war nur die Erinnerung an das schöne Gefühl, die ihn dazu aufrief, etwas zu unternehmen.
Viktor hatte seine dritte Zigarette aufgeraucht, drückte sie fest entschlossen im Aschenbecher aus und ging ins Schlafzimmer. Auf halbem Wege sagte er laut: 'Wach auf, Inga, wach auf!'
'Ich schlafe doch gar nicht. Ich liege nur so da und genieße das süße Nichtstun. Ich hatte mich schon gefragt, wo du auf einmal abgeblieben bist', antwortete die auf dem Bett liegende Schönheit.
'Inga, ich möchte einen Sohn. Würdest du mir einen Sohn schenken?'
Inga warf die Bettdecke beiseite, sprang aus dem Bett, lief auf Viktor zu und warf sich ihm um den Hals. Dann schmiegte sie ihren formvollendeten Körper an ihren Liebhaber und sprach in heißem Flüsterton zu ihm: 'Die schönste Liebeserklärung ist die, wenn ein Mann eine Frau bittet, ihm ein Kind zu schenken. Dankeschön.. wenn es ernst gemeint war.'
'Und ob!', bekräftigte er.
Inga zog ihren Schlafrock an und antwortete: 'Wenn es wirklich kein Scherz ist, dann halte ich deinen Entschluss für etwas unüberlegt. Denn ich möchte, dass mein Kind einen Vater hat. Du bist aber bereits verheiratet, mein Liebling.'
'Dann lasse ich mich eben scheiden', sagte Viktor. Eigentlich war Viktor bereits seit 3 Monaten geschieden, aber er hatte Inga aus verschiedenen Gründen nichts davon erzählt.
'Gut, dann tu das. Aber eines möchte ich dir sofort sagen, Viktor. Selbst wenn du dich scheiden lässt, ist es jetzt noch zu früh, über Kinder zu sprechen. Erstens brauche ich noch ein Jahr, um mein Promotionsstudium zu beenden. Und zweitens habe ich vom Studium dermaßen die Nase voll, dass ich danach erstmal ein Jahr lang meine Ruhe brauche. Ein paar Urlaubsreisen wären nicht schlecht, mal etwas Abwechslung… Und was Kinder betrifft… Kinder können solchen Plänen ein für alle Mal ein Ende bereiten', sagte Inga halb im Scherz.

'Also gut, es war doch nur ein Scherz', unterbrach Viktor ihre Rede. 'Jetzt muss ich aber los, ich muss zu einer wichtigen Verabredung. Hab schon meinen Fahrer bestellt. Bis dann..'
Er ging fort, aber nicht zu einer Verabredung und seinen Fahrer hatte er auch nicht bestellt. Viktor schritt langsam durch die geschäftigen Straßen und sah sich die Frauen an, die ihm entgegeneilten. Er war aber keineswegs auf ein schnelles Abenteuer aus, nein, er hielt Ausschau nach einer Frau, die ihm würdig erschien, ihm einen Sohn zu gebären.

Modisch gekleidete, stark geschminkte Frauen, die früher seine Aufmerksamkeit erregt hatten, schieden sofort aus. Auch halbnackte Mädchen, Mädchen in Minirock und Mädchen in eng anliegenden Kleidern lehnte er ab.

'Es ist klar, was sie mit solcher Kleidung bezwecken.  Und obendrein versuchen sie auch noch, gescheid dreinzuschauen', sagte er zu sich selbst. 'Mit ihren Formen ködern sie die Männer, in der Hoffnung, dass vielleicht einer anbeißt. Natürlich beißt auch jemand an, aber nicht, um Kinder zu bekommen. Und auch die Frauen selber fischen ja bloß nach einem sexuellen Partner. Nur zu, wackelt nur fleißig mit eurem Hintern, ihr Zierpuppen! Ich werde jedenfalls nicht zulassen, dass mein Sohn von so einem Flittchen geboren wird.'

Zwei Mädchen, die ihm entgegenkamen, rauchten, und eine von ihnen hielt eine offene Bierflasche in der Hand.
'Die hier kommen überhaupt nicht in Frage. Nur Narren würden sich von solchen Frauen ein Kind wünschen.'
Viktor fiel außerdem auf, dass unter all den Frauen und Mädchen, die ihm auf der Straße begegneten, nur wenige völlig gesund aussahen. Einige gingen gebückt, andere zogen ein Gesicht, als ob sie Magenkolik hätten, und wieder andere litten sichtlich unter Fett- oder Magersucht.

'Nein, mit solchen Frauen sollte man kein Kind zeugen', dachte Viktor bei sich. 'Also wirklich! Offenbar träumen alle davon, dass eines Tages ein Prinz im weißen Mercedes vorfährt und sie abholt. Tja, der arme Prinz.. Mit Sicherheit können sie keine gesunden Kinder zur Welt bringen, denn sie sind ja selber nicht gesund.'
Anstatt seinen Chauffeur anzurufen, fuhr Viktor heute mit dem Obus zum Büro. Ständig hielt er Ausschau nach einer würdigen Mutter für seinen Sohn, aber vergebens. Den ganzen Tag über, selbst in der Mittagspause, dachte er unermüdlich darüber nach, wie er eine geeignete Frau finden könnte.

Manchmal hatte er das Gefühl, er würde eine Frau suchen, die ihn selbst gebären sollte. Letzten Endes kam er zu dem Schluss, dass es unmöglich sei, die richtige Mutter für seinen Sohn zu finden; vielmehr müsse er sie selbst erschaffen. Dafür müsse er zunächst eine mehr oder weniger gesunde junge Frau mit attraktivem oder zumindest nicht abstoßendem Äußerem und gutem Charakter finden. Dann müsse er dafür sorgen, dass sie an verschiedenen Ausbildungs- und Trainingskursen teilnimmt und dass ihre Gesundheit in den besten Sanatorien wiederhergestellt wird. Am wichtigsten aber sei, dass sie eine Ausbildung an einer erstklassigen Bildungseinrichtung erhält, wo sie auf die Schwangerschaft vorbereitet wird sowie auf das Tragen des Kindes, die Geburt und die Vorschulerziehung.

[...]

Zwei Wochen lang grübelte er in jeder freien Minute über sein Problem nach: Er wollte unbedingt ein Kind haben. Zwei Wochen lang ging er zu Fuß in die Stadt, kehrte in vornehmen Restaurants, Bars oder Theaterhäusern ein und studierte dabei genau die Gesichter der Frauen. Er fuhr sogar in ein Dorf, aber auch dort konnte er keine passende Partnerin für sich finden.

[...]

In diesen zwei Wochen traf sich Viktor nicht mit seiner Geliebten, ja er rief sie nicht einmal an. Er war zu dem Schluss gekommen: Wenn sie mir kein Kind schenken will, sondern nur ihren eigenen Spaß und elegante Kurorte im Sinn hat, dann brauche ich sie nicht.
Natürlich war es sehr schön gewesen, mit einer so attraktiven und intelligenten jungen Frau die Zeit zu verbringen, aber jetzt hatten sich seine Pläne drastisch verändert. ‚Die Wohnung werde ich ihr überlassen, denn schließlich hat sie mir eine Zeit lang mein Leben versüßt‘, beschloss Viktor und machte sich auf den Weg zur Universität, wo Inga studierte. Er wollte ihr seinen Satz Schlüssel übergeben. Unterwegs rief er sie mit seinem Handy an:

‚Hallo, Inga.‘
‚Hallo‘, antwortete ihm die vertraute Stimme, ‚wo bist du?‘
‚Ich bin auf dem Weg zur Uni. Hast du bald Schluss?‘
‚Seit zehn Tagen gehe ich schon nicht mehr zur Uni, und ich glaube, in nächster Zukunft wird das so bleiben.‘
‚Ist was passiert?‘
‚Ja.‘
‚Wo bist du?‘
‚Zu Hause.‘

Als Viktor mit seinem Schlüssel die Tür öffnete und die Wohnung betrat, sah er Inga im Schlafrock auf dem Bett liegen und ein Buch lesen. Sie sah Viktor an.

‚In der Küche gibt es Kaffee und belegte Brote‘, sagte sie, ohne aufzusehen, und vertiefte sich erneut in ihre Lektüre.
Viktor ging in die Küche, nippte an seinem Kaffee, steckte sich eine Zigarette an, legte seine Schlüssel auf den Tisch, ging zur Schlafzimmertür und teilte der noch immer lesenden Inga mit: ‚Ich verreise für längere Zeit, vielleicht sogar für immer. Die Wohnung überlasse ich dir. Leb wohl. Fühle dich frei und sei glücklich.‘
Damit begab er sich zum Ausgang. Inga sprang auf und holte ihn noch vor der Tür ein.

‚Warte mal, Bürschchen, so einfach geht das nicht‘, sagte sie ohne Zorn und hielt Viktor am Ärmel fest. ‚Du willst dich also aus dem Staube machen. Erst versaust du mein ganzes Leben, und dann tschüß!‘

‚Soso, dein Leben hab ich versaut … wie denn das?‘, fragte Viktor verwundert. ‚Mir hat es jedenfalls mit dir gefallen, und du hattest doch auch kein schlechtes Leben. Jetzt hast du deine eigene Wohnung und einen Schrank voller Klamotten. Genieß das Leben, wie du es immer wolltest. Oder willst du obendrein noch Geld?‘
‚Ein Halunke bist du, ein ganz schamloser! Wie kannst du nur so herzlos sein! Ich pfeife auf deine blöde Wohnung …‘
‚Jetzt reicht’s aber. Hör bitte auf zu streiten, ich habe Wichtigeres zu tun. Leb wohl.‘

Viktor griff nach der Türklinke, doch Inga hielt ihn erneut auf, indem sie ihn an der Hand packte.
‚Nichts da, mein Lieber, hier geblieben! Jetzt antworte mir: Hast du mich gebeten, dir ein Kind zu zeugen oder nicht?‘
‚Das habe ich, aber du hast dich ja geweigert.‘
‚Zuerst ja. Aber dann dachte ich zwei Tage lang darüber nach und habe meine Meinung geändert. Ich hab mein Studium geschmissen und mit dem Rauchen aufgehört Täglich treibe ich Grühsport; ich habe mir Bücher besorgt über das Leben und über Kinder … inzwischen kann ich sie gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich versuche mich so gut wie möglich auf die Schwangerschaft vorzubereiten, und jetzt kommst du und sagst ade. Ich kann mir als Vater meines Kindes keinen anderen vorstellen als dich …‘

Als Viktor begriff, was er soeben gehört hatte, umarmte er Inga fest, und er brachte nicht mehr hervor als ein geflüstertes ‚Inga, Inga …‘. Dann hob er sie auf seine Arme und trug sie ins Schlafzimmer. Wie eine große Kostbarkeit legte er sie vorsichtig aufs Bett und begann, sich hastig auszuziehen. Mit größerer Leidenschaft als je zuvor umarmte er Inga, begann ihre Brüste und Schultern zu küssen und versuchte ihr den Schlafrock auszuziehen. Doch Inga leistete plötzlich stillen Widerstand und begann ihn von sich zu stoßen.

‚Bitte lass das jetzt, das hat Zeit. Um es kurz zu machen: Heute wird es zwischen uns keinen Sex geben. Morgen auch nicht und auch in einem Monat nicht‘, teilte Inga ihm mit.
‚Wieso nicht? Hast du nicht gesagt, du bist einverstanden, mit mir ein Kind zu zeugen?‘
‚Das habe ich.‘
‚Und wie soll das ohne Sex gehen, bitte schön?‘
‚Es muss eine ganz andere Art von Sex sein, nicht was du darunter verstehst.‘
‚Wie meinst du das?‘
‚Wie ich es gesagt habe. Verrate mir doch mal, mein lieber künftiger Vater, warum du dir ein Kind wünschst?‘
‚Na, drei Mal darfst du raten.‘ Viktor saß verwirrt auf dem Bett. ‚Was soll diese Fragerei? So was weiß doch jeder.‘
‚Gut, wenn es dir so klar ist. Aber lass uns dennoch präzisieren, was bei dir eher zutrifft: Willst du, dass dein Kind als Nebenprodukt unserer Lust geboren wird oder als Frucht unserer Liebe?‘
‚Das Kind dürfte sich wohl kaum wohl dabei fühlen, ein Nebenprodukt zu sein.‘
‚Also wählst du die zweite Variante: Du wünschst dir ein Kind als Frucht der Liebe. Aber du bist ja gar nicht in mich verliebt. Gut, ich gefalle dir, aber das ist ja noch lange keine Liebe.‘
‚Ja, Inga, du gefällst mir sogar sehr.‘
‚Na siehst du, ich mag dich auch, aber Liebe kann man das noch nicht nennen. Wir müssen uns diese Liebe erst gegenseitig verdienen.‘
‚Wo hast du denn solche Ideen aufgeschnappt? Hast wohl irgendein seltsames Buch gelesen, nicht wahr? Liebe ist ein Gefühl, das von selber entsteht. Niemand weiß genau, wie und woher sie kommt. Und genauso geht sie auch wieder aus unerfindlichen Gründen. Verdienen kann man sich Respekt, aber Liebe …‘
‚Nein, grade die Liebe müssen wir uns verdienen, und unser Sohn wird uns dabei helfen.‘
‚Unser Sohn – spürst du, dass es ein Sohn sein wird?‘
‚Warum sein wird? Er existiert bereits.‘
‚Was soll das heißen?‘, fragte Viktor und sprang auf. ‚Hast du etwa schon einen Sohn? Warum hast du mir nichts davon gesagt? Von wem ist er? Und wie alt ist er?‘
‚Von dir ist er. Aber ein Alter hat er noch nicht.
‚Dann gibt es ihn also doch noch nicht?‘
‚Doch.‘
‚Hör mal, Inga, da komm ich nicht mehr mit. Was du sagst, gibt für mich keinen Sinn. Kannst du dich nicht deutlicher ausdrücken?‘
‚Ich werd’s probieren. Du, Viktor, hast dir ein Kind gewünscht und hast angefangen, an es zu denken. Später wollte auch ich es und begann ebenfalls, an es zu denken. Wie man heutzutage weiß, hast der menschliche Gedanke stofflichen Charakter. Mit anderen Worten: Wenn wir uns beide ein Kind vorstellen, existiert es bereits.
‚Und wo ist es jetzt?‘
‚Ich weiß nicht. Vielleicht in einer anderen Dimension, die uns verschlossen ist. Vielleicht läuft es jetzt barfuß durch die Milchstraße und ist auf die blaue Erde aufmerksam geworden, auf der es sich materiell verkörpern wird. Vielleicht wählt es sich jetzt den Ort aus, an dem es zur Welt kommen wird, und unter welchen Umständen, und möchte uns das irgendwie mitteilen. Hörst du es nicht, spürst du nicht sein Bitten?‘
Viktor starrte Inga mit großen Augen an, so als sähe er sie zum ersten Mal. Nie zuvor hatte sie so gesprochen. Er war sich nicht im Klaren, ob sie das alles ernst meinte oder nicht. Aber der Satz ‚Vielleicht wählt es sich jetzt den Ort aus, wo er zur Welt kommen wird‘ machte ihn nachdenklich.

Kinder werden an den verschiedensten Orten geboren: im Flugzeug, auf dem Schiff oder im Auto; viele werden in Entbindungsheimen geboren und einige zu Hause in der Badewanne. Sie werden an der Stelle und zu der Zeit geboren, wenn es soweit ist, aber was würden sich wohl die Kinder wünschen? Wo zum Beispiel würde er selbst, Viktor, am liebsten zur Welt kommen, wenn er die Wahl hätte? In Russland oder im besten Entbindungsheim Englands oder Amerikas? Irgendwie konnte er sich für keine dieser Möglichkeiten begeistern.
Inga unterbrach Viktors Gedanken: ‚Ich habe einen klaren Plan, wie wir eine Begegnung mit unserem Sohn gemeinsam vorbereiten können.‘
‚Was für einen Plan?‘
‚Hör mir gut zu, Liebling‘, sprach Inga so entschlossen wie nie zuvor. Eine Zeit lang saß sie im Sessel, dann wieder ging sie im Zimmer auf und ab. ‚Zunächst sollten wir einmal unsere physische Verfassung auf Vordermann bringen. Ab sofort werden wir aufhören zu rauchen und zu trinken. Dann werden wir unseren Organismus reinigen, vor allem Leber und Nieren, und zwar mit Hilfe von Kräutersuden und Fastenkuren. Ich habe mich bereits für eine bestimmte Methode entschieden.

Von nun an werden wir nur noch Quellwasser trinken. Das ist sehr wichtig. Ich bekomme bereits jeden Tag fünf Liter Quellwasser ins Haus geliefert. Das ist zwar doppelt so teuer wie normales Mineralwasser, aber davon werden wir schon nicht arm werden.‘
Auch müssen wir jeden Tag körperliche Übungen machen, damit unsere Muskeln gestärkt werden und unser Blut intensiver durch die Adern gepumpt wird. Außerdem sind frische Luft und positive Emotionen wichtig – etwas, was schon schwerer zu verwirklichen ist.

Viktor gefielen Ingas Entschlossenheit und ihr Plan, und ohne sie ausreden zu lassen, sagte er: ‚Wir werden die besten Trainingsgeräte kaufen und die besten Masseure bestellen. Ich werde einen meiner Fahrer jeden Tag Quellwasser holen lassen. Er soll auch jeden Tag in den Wald fahren und dort mit einem Kompressor frische Luft in Ballons abfüllen, die wir dann später in der Wohnung ausströmen lassen. Ich weiß nur noch nicht, woher wir die positiven Emotionen nehmen sollen. Vielleicht sollten wir ja eine Hochzeitsreise machen und vornehme Kurorte besuchen.‘

Viktors Stimmung stieg von Minute zu Minute. Teils lag das an Ingas verantwortungsbewusster und gut durchdachter Herangehensweise an die Geburt des Kindes, teils an ihrem Wunsch, ihm ein Kind zu schenken. Es freute ihn ungemein, dass sein künftiger Sohn, dem er im Traum begegnet war, nicht von irgendeiner engstirnigen, auf ihren eigenen Vorteil bedachten Frau geboren werden sollte, sondern von Inga, der es mit der Mutterschaft so ernst war. Wie sehr wünschte er sich, Inga, die er schon als Mutter seines künftigen Sohnes sah, eine besondere Freude zu machen! Viktor stand auf, zog seinen Anzug an und sprach in feierlichem Ton zu Inga: ‚Inga, willst du meine Frau werden?‘
‚Natürlich will ich das‘, sagte Inga im gleichen Ton wie Viktor und knöpfte ihren Bademantel zu. Unser Sohn soll ganz legale Eltern haben. Nur die Hochzeitsreise zu den Kurorten können wir uns sparen, denn die passt nicht zu meinem Plan zur Vorbereitung auf die Geburt.‘

‚Was passt denn dann in deinen Plan? Woher sonst sollen wir die positiven Emotionen nehmen?‘

‚Wir sollten uns die benachbarten Dörfer anschauen und einen Ort finden, der uns zuspricht. Er sollte uns beiden gefallen, denn dann wird er auch unserem Sohn gefallen, wenn er ihn sieht. Dort werden wir einen Hektar Land kaufen, und du wirst ein kleines Haus bauen, wo auch die Empfängnis unseres Kindes stattfinden soll. Ich werde die gesamten neun Monate dort verbringen, mit höchstens kurzen Unterbrechungen. Auf unserem Land werden wir einen Garten anlegen. Ich werde unser Kind nicht in einem Entbindungsheim, sondern in dem kleinen Häuschen auf unserem Familienlandsitz zur Welt bringen.‘

Viktor konnte nicht glauben, dass Inga, die junge, attraktive Frau, die noch vor kurzem so sehr darauf versessen gewesen war, elitäre Clubs und elegante Kurorte zu besuchen, so plötzlich ihren Lebensstil hatte umkrempeln können. Einerseits schmeichelten ihm Ingas Pläne, da sie dabei ja an das Wohl seines Kindes dachte, doch andererseits fragt er sich, ob darin nicht ein paar verrückte Elemente enthalten waren. Ein Bekannter hatte ihm von einem Buch erzählt, in dem außergewöhnliche Praktiken bei der Vorbereitung auf die Mutterschaft beschrieben werden. Der Bekannte hatte auch über die Bedeutung eines Hektars Eigenlandes für die Familie gesprochen und ihm ein Buch mit grünem Einband geschenkt, das den Titel Das Buch der Ahnen trug. Er war nicht dazu gekommen, das Buch zu lesen, hatte aber gehört, dass diese Bücher heftige Reaktionen ausgelöst hatten. Die Leser begannen, ihre Lebensweise zu verändern.

Plötzlich fiel Viktors Blich auf den Nachttisch, auf dem ein Stoß Bücher mit grünem Einband lag. Er kam näher und las einige der Titel: Die klingenden Zedern Russlands hieß ein Band, ein anderer war jenes Buch der Ahnen. Nun war Viktor klar, woher Inga ihre ungewöhnlichen Idenn zur Vorbereitung auf die Geburt und die Geburt selbst hatte. Sie hatte sie aus diesem Buch entnommen und war jetzt fest entschlossen, ihnen stets zu folgen. Er war sich nicht sicher, ob das nun gut war oder schlecht.

Ingas resolute Überzeugung hatte ihn stutzig gemacht. Es war, als hätte jemand Unsichtbares ihre Weltanschauung umgepolt. Aber hatte das Inga nun zum Guten verändert oder nicht? Immer wieder stellte er sich diese Frage, und schließlich stellte er sie zur Rede.

‚Ich weiß, Inga, dass du deine Ideen aus diesen Büchern bezogen hast. Ich habe von ihnen gehört. Einige sind von ihnen hingerissen, andere sagen „Vieles darin klingt märchenhaft und lässt sich nicht beweisen.“ Vielleicht wäre es ratsam, nicht alles blind zu glauben, was darin geschrieben steht. Überleg doch mal selbst: Warum sollen wir uns irgendein Stück Land suchen, darauf ein kleines Haus bauen und uns mit harter Landarbeit zu Tode schuften? Mit meinem Einkommen kann ich mir ein großes Einfamilienhaus leisten mit schönem Grundstück, Swimmingpool, Rasen, Wegen und Garten, wenn du möchtest.‘

‚Natürlich kann man sich mit Geld vieles kaufen, auch das Klischee einer Liebe. Ich will aber, dass wir unseren Garten selbst anlegen‘, entgegnete Inga. ‚Ganz allein. Denn wenn mein Sohn groß ist, will ich ihm sagen können: „Diesen Apfelbaum, mein Sohn, diesen Birnbaum und diesen Kirschbaum habe ich selber gepflanzt, als du noch ganz klein warst. Das habe ich für dich getan. Du warst ganz klein und die Bäumchen auch. Jetzt seid ihr alle groß, du und die Bäume, und sie beginnen, dir Früchte darzubringen. Ich habe mich bemüht, die ganze Umgebung um deine kleine Heimat für dich angenehm zu gestalten.“‘
Diese leidenschaftliche Entgegnung Ingas war überzeugend, und sie gefiel Viktor. Er begann zu bedauern, dass niemand ihn in seinem eigenen Leben zu einem solchen Garten gebracht und gesagt hatte: ‚Diesen Garten haben deine Eltern für dich angelegt.‘ Ja, natürlich hatte Inga Recht, kein Zweifel. ‚Doch warum hatte sie nur über sich selbst gesprochen, als ob er gar nicht existierte?‘, dachte Viktor und fragte gekränkt: ‚Warum wirst du deinem heranwachsenden Sohn nur über dich erzählen, Inga?‘
‚Du willst ja keinen Garten anlegen‘, antwortete Inga gelassen.
‚Was soll das heißen: „Du willst nicht“? Na klar will ich, wenn es für die Zukunft nötig ist.‘
‚Dann werden wir alles gemeinsam tun, und ich werde meinem Sohn sagen: „Diesen Garten hier habe ich für dich zusammen mit deinem Vater angelegt.“
‚So ist es recht‘, beruhigte sich Viktor.“

(aus: Anastasia Band 8. Neue Zivilisation, S.99-111)

21.4.17 17:33, kommentieren

Das Geheimnis glücklicher Menschen

„Man kann nichts verarbeiten, was man nicht vorher gefühlt hat“

Korrekt. Vollkommen korrekt. Und genau hierzu nun ein paar Auszüge aus einem Buch, die mich schwer beeindruckt haben:

„Ein Verständnis für Gefühle war bis zur Mitte unseres Jahrhunderts (zumindest in unserer Kultur) in der Kindeserziehung kaum vorhanden. Die Ära des „Große Jungen weinen nicht“ und „Mädchen sind nicht wütend“ ist grade erst vorbei. […] In ihrer reinen Form sind Gefühle deutlich erkennbare Muster körperlicher Empfindungen, die während bestimmter Situationen erfahren werden. Ihre Intensität schwangt zwischen kaum merklich und sehr stark. Gefühle begleiten uns, während wir die täglichen Ereignisse in unserem Leben bewältigen, ununterbrochen, fließen hin und her, vermischen sich und trennen sich. Wir fühlen fortwährend etwas – Gefühle sind Ausdruck des Lebens selbst!

Es gibt vier Grundgefühle:
Wut, Furcht, Traurigkeit und Freude“

Und an dieser Stelle gingen meine Gedanken zu dem relativ aktuellen Film „Inside out“ bzw. „Alles steht Kopf“. Ich hab ihn in Irland mit meinen Au-pair Kindern geguckt und muss gestehen: ich fand diesen Film zu Gefühlsarm. Ja, tatsächlich. Dort gab es nur 5 verschiedene Emotionen, nur eine davon positiv (auf den ersten Blick). Nur fünf Emotionen waren mir schlichtweg zu wenig: Freude, Trauer, Angst, Wut und Ekel. Ich dachte, sie hätten aus Einfachheits- und Verständlichkeitsgründen auf weitere Gefühle verzichtet, um es Kindern verständlicher zu machen, und sie nicht mit unserem Gefühlschaos zu überfordern.
Gespannt las ich weiter:

„Alle anderen Gefühle sind Mischungen dieser vier, ähnlich den vielen Farben, die aus den Grundfarben Rot, Geld und Blau zusammengesetzt werden können. Tausende von Kombinationen sind möglich – Eifersucht zum Beispiel ist eine Mischung aus Furcht und Wut, Nostalgie eine Mischung aus Traurigkeit und Freude. Was sind wir doch für interessante Geschöpfe!
[…]
Manchmal wünscht man sich fast, man hätte keine Gefühle – wäre das Leben dann nicht einfacher? Vor allem die negativen Gefühle wie Wut und Traurigkeit quälen uns oftmals. Warum nur hat uns die Natur mit diesen hochaufgeladenen Zuständen ausgestattet? Alle Gefühlszustände spielen aber in unserem Leben eine sehr wichtige Rolle.

Warum haben wir Gefühle?

Nehmen wir zuerst die Wut: Stellen Sie sich eine Person vor, die keine Wut empfinden kann – scheint das nicht so, als ob Sie ganz ohne Rückgrat aufgewachsen sei? Eines Tages steht diese Person auf dem Parkplatz eines Supermarkts; ein Auto fährt heran und parkt auf Ihrem Fuß; und wegen Ihrer grenzenlosen Sanftmut wartet sie solange, bis der Fahrer des Wagens zurückkommt und den Fuß wieder freigibt. Wut ist die Kraft, die uns für uns selbst einstehen lässt. Ohne Wut wären wir nur Sklaven, Fußmatten, Herdenvieh (mehr noch, als wir es ohnehin schon sind). Wut ist unser Antrieb zu Freiheit und Selbsterhaltung.
Furcht ist auch sehr nützlich. […] Furcht bremst uns, zwingt uns innezuhalten, nachzudenken, Gefahren zu vermeiden – auch wenn unser bewusstes Denken noch nicht weiß, worin die Gefahr besteht.
Traurigkeit ist das Gefühl, das uns hilft zu trauern – und uns buchstäblich reinzuwaschen von dem Schmerz, den der Verlust einer Sache oder einer Person verursacht hat. Die chemischen Veränderungen, die mit der Traurigkeit einhergehen, helfen unserem Gehirn, Schmerz abzuleiten und voranzuschreiten in einen neuen Lebensabschnitt. Nur wenn wir getrauert haben, können wir „loslassen“ und neue Bindungen zu Menschen und dem Leben eingehen.

Richtig besehen, gibt uns …

… Wut die Freiheit.

… Furcht die Sicherheit,

… Traurigkeit die Fähigkeit, mit Menschen und der Welt Kontakt auszunehmen

Alle drei „Grundgefühle“ sind unabdingbar für das Glücklich-sein. Freude, das vierte Gefühl, kommt erst auf, wenn Wut, Furcht und Traurigkeit ausgelebt wurden.“

Zwischendurch habe ich mit meiner Schwester darüber philosophiert. Sie meinte vorher, die Freude wäre das Gefühl, was von Beginn an da ist. Der Ursprung. Ich finde, beide Aussagen können sich ergänzen. Freude, Glück, Liebe.. wie immer ihr es nennt, ist von Anfang an da. Nur durch die anderen Emotionen wird das Ganze ungleich intensiviert. Mein guter und langjähriger Freund und ich erkannten folgendes: Am Ende ist es doch viel eher die Gleichgültigkeit, die uns umbringt. Dieses nur noch existieren versperrt uns das leben.
Also Leute, Schritt eins: LEBT! Bitte, ich bitte euch so sehr: seid wütend, traurig, auch mal ängstlich. Und dann lernt ihr, was Glück ist. Ihr könnt Freude grundlegend anders wahrnehmen, überhaupt erst vollständig verstehen. Es ist wunderschön!

Okay, die Wut haben wir jetzt soweit verstanden. Noch ein paar Sätze dazu und dann geht’s weiter mit der Trauer:

„Es ist eine Frage des Gleichgewichts. Wird jemand schlecht behandelt, muss er fähig sein, sich dagegen laut und mit Nachdruck zu wehren – und zwar frühzeitig, bevor er in Rage gerät oder gar handgreiflich wird. […]

Es tut gut, sich einmal auszuweinen, wenn die Traurigkeit überhandnimmt. […] Ab und zu die Tränen fließen zu lassen ist aber so natürlich wie Atmen. Abgesehen davon, dass Nichtweinen keineswegs ‚stark‘ macht, führt es zusätzlich zu inneren Verkrampfungen und Spannungen. Man lebt tendenziell eher in der Vergangenheit und findet schwer Kontakt zur Gegenwart. Man hat Angst vor den Gefühlen anderer Menschen und vor allem, was mit Verlust und Tod zu tun hat. Wer gelernt hat, sich auszuweinen und die Traurigkeit sozusagen auszuscheiden, erfährt, dass jede Situation im Leben bewältigt werden kann. […]“

Spannende Worte. Vorher wurde auch was dazu gesagt, dass es nach wie vor schwierig ist, als Mann zu weinen. Zufällig kenn ich wen, der seit Jahren keine Träne mehr vergossen hat. Auf der anderen Seite bemerk ich grad, dass derjenige solche Spannungen tatsächlich auch schon physisch erfahren hat. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, wer weiß das schon. Prinzipiell entfern ich mich grad davon, solang und tief in anderer Menschen Psyche zu bohren, bis ich „Fehler“, oder „Entwicklungsstörungen“ oder „Probleme“ gefunden hab. Wenn man lang genug guckt, findet man die immer, auch bei mir. ^^ Aber das ist doch verrückt. Genau diese verschiedenen Biographien machen uns doch zu dem, was wir sind, mit all unserer persönlichen Einfühlsamkeit..

Alles in einem konnt ich mit diesen Ansätzen ne ganze Menge anfangen. Klar, Gefühle müssen gefühlt werden. So logisch, und doch versuchen wir zunehmend, uns einfach nur noch zu betäuben..

Lassen wir Gefühle hingegen zu, kann das Schmerzhaft werden, klar. Aber danach geht es einem besser, man fühlt sich befreit und intensiver. Viel intensiver, denn, wie wir gelesen haben: Erst durch Wut, Trauer und Angst werden wir vollständig in der Lage sei, Freud zu verstehen..

 

In diesem Sinne..
In Liebe,
eure Nena ♥

PS: Die Auszüge sind aus dem Buch: Das Geheimnis glücklicher Kinder von Steve Biddulph

17.4.17 19:07, kommentieren

(update) Geschenke - Leichtigkeit, Freude, Glück und Dankbarkeit

"Geschenke"

Über diesen Begriff habe ich schon auf meinem alten Blog nachgedacht, vor 4,5 Jahren. Was versteht ihr darunter? Das neue Experia? Ein schönes Buch? Oder doch nur einfach Geld?
Bis auf das Smartphone würde ich mich über solche Geschenke auch freuen. Aber meistens ist mir das materielle Geschenk gar nicht so wichtig. Im Gegenteil. Seit meine minimalistische Denkweise begonnen hat, sind sie mir oft sogar unangenehm, weil ich immer befürchte, etwas zu bekommen, was ich aus meinem Haushalt fernhalten wollte. Viel besonderer sind Worte. Zeit. Gemeinsamkeit.

Was allerdings noch wunderbarer sein kann, ist Geschenke zu geben. Bedingungslos, das heißt ohne jegliche Erwartungen, etwas zu geben. Unerwartet etwas kleines, selbstgebackenes zum Besuch. Das Telefon zu verleihen, auch wenn der zu tätigende Anruf 'ne 0180-Nummer ist, ohne das es unbedingt notwendig wäre.

Oder zum Abschied ein paar Worte zu flüstern, die du verschenken willst.. Ja, quasi musst, weil du sonst irgendwann platzt, weil .. ja, weil man seine eigene Freude.. sein eigenes Glück, so gern teilen mag. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber wenn es mir gut geht, möchte ich das so gern teilen und weitergeben. Und wenn ich merke, dass es mir in der Gegenwart eines besonderen Menschen noch besser geht, dann will ich ihm das auch sagen. Das tun wir heutzutage viel zu selten. Komplimente zum Beispiel werden heutzutage viel zu oft instumentalisiert. Man kann nicht einfach sagen "wow, du siehst gut aus heute", weil das immer als seltsam angesehen wird, bei unbekannten Menschen. Geht mal auf die Straße und sagt den Menschen, die ihr schön findet, genau das. Unfassbar, wie eigenartig man sich dabei fühlt..

Ganz unromantisch und sozialarbeiter-fachmännisch nennt man sowas "soziale Kreditbeziehungen". Grässliches Wort für etwas so schönes, nicht wahr? Der Kern dahinter ist allerdings echt spannend und geht auf mein sehr geliebtes Glücksprinzip zurück: Tu etwas ganz Gutes für jemand anderen (nur mit der Bitte, das gleich für andere Menschen zu tun). Durch diese bedingungslose Hilfe fühlt man sich irgendwie in der Schuld des anderen und wird ihm vielleicht später auch wieder helfen. Aber dieser Gedanke "Ich helf dir, du mir" ist mir fast zu engstirnig. "Ich helf dir, du jemand anderem" ist in meinem Kopf noch viel schöner, weil unbegrenzter. Wenn sich das schneeballmäßig ausweitet, könnte die Welt irgendwann tatsächlich gut werden. "Es wird gut werden auf der Erde", hab ich gelesen.

Was wir dann mit diesen Geschenken machen, ist unsere Sache. Grade bei wertvollen Dingen wie Worten oder Momenten ist der Wunsch naheliegend, sie ebenso vorsichtig und achtsam angenommen zu wissen. Aber Geschenk ist Geschenk. Und das ist für mich immer bedingungslos. Und ich finde auch, Geschenke sollten viel leichter werden! Man darf es also einfach so nehmen, ohne dafür etwas zurück geben zu müssen. Ohne diesen Zwang, jetzt in der Schuld zu stehen und es ausgleichen zu müssen. Nein, was ich mir beim verschenken wünsche, ist Freude, Glück und Dankbarkeit zu erzeugen. Hauptsächlich Freude. Es sei denn natürlich, man verspürt diesen unbändigen Drang/Dank, etwas (zurück)geben zu möchten.

 

Hierzu nochmal ein Link zu meinem Appletrees -Eintrag vor 1 Jahr ca. Dort wird nochmal wundervoll erklärt, dass jeder sein Geschenk an die Welt zu geben hat und wir es nur realisieren und aktivieren müssen. Denn, was würde wohl mit einem Apfelbaum passieren, der keine Äpfel geben kann/darf? Er würde vermutlich krank werden..

 

Geschenke.... ein eigentlich klarer Begriff, der sich mit den Jahren so sehr wandeln kann.. aber der dennoch immer wunderschön bleibt....

 

Danke für eure Aufmerksamkeit.
(c) Nena

12.4.17 16:45, kommentieren

Das Gleichnis von den zwei Brüdern

Es lebte einst ein Ehepaar – in welcher Zeit, spielt keine Rolle -, das lange kinderlos blieb. Erst in höherem Alter wurde die Frau schwanger und gebar zwei Söhne. Sie verstarb kurz nach der schweren Geburt.

Der Vater stellte Ammen an und bemühte sich, so gut es eben ging, die Kinder zu versorgen. Doch als die Söhne vierzehn Jahre alt wurden, verlies auch er die Welt. Nach dem Begräbnis saßen die beiden Zwillingsbrüder in großer Trauer in der Wohnstube ihres Hauses. Einer von ihnen galt als der Ältere, weil er drei Minuten früher das Licht der Welt erblickt hatte als der andere. Nach längerem Schweigen sagte der Ältere: „Auf seinem Sterbebett hat Vater uns gegenüber sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass er uns die Weisheit der Ahnen nicht mehr hatte lehren können. Lieber Bruder, wie sollen wir jetzt ohne diese Weisheit leben? Unser unglückseliges Geschlecht wird verspottet werden von den anderen Familien, deren Ahnentradition noch erhalten ist.“
„Sei nicht so bekümmert, Bruder“, sprach der Jüngere. „Ich sehe dich oft in Gedanken versunken. Vielleicht stößt du ja im Laufe der Zeit auf die Weisheit unserer Ahnen. Ich bin jedenfalls bereit, alles zu tun, was du mir aufträgst, damit du genügend Zeit hast zum Nachsinnen. Ich kann auch leben, ohne mir viel Gedanken zu machen, und bin froh um jeden Tag, den ich erleben darf. Und was die Arbeit hier im Hause betrifft, die macht mir nichts aus.“

„Einverstanden“, sprach da der Ältere, „nur glaube ich nicht, dass ich die Weisheit in diesem Hause finden kann. Niemand hat sie uns hier hinterlassen, und niemand wird sie uns hierherbringen. Als der Ältere von uns habe ich beschlossen, auszuziehen und alle Weisheit der Welt zu suchen. Wenn ich sie gefunden habe, werde ich zurückkehren und diese Weisheit den Nachkommen unserer Familie und uns selbst zum Geschenk machen. Alles Wertvolle, was uns unser Vater hinterlassen hat, werde ich mitnehmen auf meine Reise. Dann werde ich die weisesten Männer in aller Welt treffen, alle Wissenschaften erlernen und wieder heimkehren.“

„Du hast einen langen Weg vor dir“, sprach der Jüngere voller Mitgefühl. „Nimm unser Ross, unseren Wagen und alles, was du für die Reise brauchst. Ich aber will zu Hause auf dich warten.“

Die Brüder trennten sich, und die Jahre vergingen. Der ältere Bruder zog von einem Weisen zum anderen und von einem Tempel zum anderen. Er erlernte die Lehren des Ostens und des Westens und bereiste auch den Norden und den Süden. Er hatte einen scharfen Verstand und ein hervorragendes Gedächtnis, und so konnte er alles, was er hörte und sah, schnell erfassen und behalten.

   Sechzig Jahre vergingen, seit der ältere Bruder das Haus verlassen hatte, und er war an Haar und Bart ergraut. Nach all den Streifzügen und Erkundungen hatte sein wissbegieriger Verstand tatsächlich Erkenntnisse erlangt, die ihm einen Ruf als großer Weiser eingebracht hatten. Seine Schüler folgten ihm in Scharen, und er teilte sein Wissen freigiebig mit allen, die es hören wollten. Alt und Jung hörten ihm mit Begeisterung zu, und sein Ruhm eilte ihm stets voraus, wohin er auch ging.

   Auf dem Höhepunkt seines Ruhms, umringt von Schülern und Anhängern, kam der ergraute Weise schließlich in das Dorf zurück, das er vor sechzig Jahren als junger Mann verlassen hatte. Die Dorfbewohner eilten ihm jubelnd entgegen, allen voran sein ebenfalls ergrauter jüngerer Bruder. Dieser verbeugte sich vor seinem Bruder und flüsterte ihm froh ins Ohr: „Mein weiser Bruder, bitte segne mich. Geh nur in unser Haus und ruh dich aus, ich werde dir nach dem langen Weg die Füße waschen.“

Der Weise gebot seinen Schülern, auf einem Hügel außerhalb des Ortes zu rasten, alle Gaben entgegenzunehmen, die ihnen angeboten wurden, und philosophische Gespräche zu führen. Dann folgte er seinem Bruder ins Haus. Der hehre, ergraute Weise setzte sich müde an den Tisch in der geräumigen Wohnstube. Während sich der Jüngere daran machte, die Füße seines Bruders mit warmen Wasser zu waschen, sprach dieser zu ihm: „Ich habe meine Schuldigkeit getan. Ich habe die Lehren der großen Weisen begriffen und meine eigenen Lehren geschaffen. Ich werde hier im Hause nicht lange weilen. Andere zu unterrichten, das ist jetzt meine Aufgabe. Aber ich habe dir einst mein Wort gegeben, Weisheit in dieses Haus zu bringen, und jetzt hin ich hergekommen, mein Versprechen einzulösen und für einen Tag dein Gast zu sein. Heute werde ich dich das Wichtigste lehren, mein Bruder. Als Erstes: Alle Menschen sollten in einem blühenden Garten leben.“

Der Jüngere trocknete seinem Bruder mit einem fein bestickten Tuch die Füße ab und bemühte sich, ihn so gut wie möglich zufrieden zu stellen. Er sprach zu ihm: „Ich habe aus unserem Garten ein paar Früchte gesammelt. Bitte greif zu.“

Der Weise kostete nachdenklich von der Vielfalt erlesener Früchte und fuhr fort: „Jeder Mensch auf Erden sollte während seines Lebens einen Ahnenbaum pflanzen. Nach seinem Tode wird der Baum auch den Kindern und Kindeskindern frische Atemluft spenden. Wir alle sollten reine Luft zum Atmen haben.“

Der jüngere Bruder eilte zum Fenster und sprach: „Verzeih mir, mein weiser Bruder, ich habe völlig vergessen, das Fenster zu öffnen, damit du frische Luft bekommst.“

Er riss die Gardinen auf, öffnete das Fenster und fuhr fort: „Bitte, atme den Duft dieser beiden Zedern ein. Ich habe sie in dem Jahr gepflanzt, als du fortgingst. Die Setzgrube für die eine habe ich mit meinem Spaten ausgehoben, die für die zweite mit deiner Kinderschaufel.“

Der Weise blickte gedankenvoll auf die Bäume, dann sprach er: „Die Liebe ist das erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind. Nicht jedem ist es gegeben, in Liebe zu leben. Und die Weisheit des Lebens ist: Jeder sollte täglich nach der Liebe streben.“

„Oh, wie weise du bist, mein Bruder!“, rief da der Jüngere aus. So groß ist deine Weisheit, dass ich ganz in Verwirrung gerate – verzeih, ich habe ganz vergessen, dir meine Frau vorzustellen.“ Damit wandte er sich zur Tür und rief: „He, meine liebe Küchenfee, wo bleibst du denn?“

„Bin schon da“, war die Antwort, und in der Tür erschien eine fröhliche Alte, die ein Tablett mit Kuchen hereintrug. „Ich war noch am backen…“

Sie stellte das Tablett auf den Tisch, machte vor den Brüdern einen koketten Knicks, und als sie nahe bei ihrem Gatten vorbeikam, flüsterte sie ihm zu – grade so laut, dass ihr Gast es noch hören konnte: „Verzeih, mein Lieber, aber mir ist etwas unwohl. Ich muss mich hinlegen.“

„Was fällt dir ein, du Tunichtgut, dich ausgerechnet jetzt auszuruhen, wo mein Bruder bei uns zu Gast ist!“

„Huch, mein Kopf – mir ist plötzlich so schwindlig.“

„Wie kann einem Energiebündel wie dir so etwas passieren?“

„Ich denke, daran bist du nicht ganz unschuldig… wir bekommen ein Kind“, prustete die Alte heraus und rannte lachend aus dem Zimmer.

„Verzeih mir, mein Bruder“, sagte der jüngere Bruder verlegen, „sie weiß die Weisheit nicht zu schätzen. Sie hat schon immer gern Scherze gemacht, und jetzt auf ihre alten Tage ist sie manchmal etwas albern.“

Der Weise wurde immer nachdenklicher. Dann holten ihn laute Kinderstimmen aus seiner eigenen Gedankenwelt, und er sprach: „Jeder Mensch sollte nach der großen Kunst streben, die Kinder zu glücklichen und rechtschaffenen Menschen zu erziehen.“

„O weiser Bruder, sehr gern wüsste ich, wie ich es anstellen kann, dass meine Kinder und Enkel glücklich werden. Wie du ja hören kannst, sind meine Enkel die reinsten Poltergeister.“

Zwei Knaben von vielleicht sechs Jahren und ein etwa vierjähriges Mädchen kamen durch die Tür hinein und stritten laut miteinander. Um den Streit zu schlichten, sprach der jüngere Bruder zu ihnen: „ Jetzt sagt mir flink, was in euch gefahren ist, ihr Rasselbande! Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr!“

„Oh!“, rief der kleinere Junge aus, „seht nur, aus unserem Opa sind zwei geworden! Woher können wir jetzt wissen, welcher der unsere ist?“

„Das da ist unser Opa, siehst du das denn nicht?“ Die Kleine lief zu ihrem Großvater, drückte ihre Wange an sein Bein, tätschelte ihm den Bart und platzte heraus: „Opa, Opa, ich bin allein zu dir gerannt, um dir zu zeigen, wie ich tanzen kann, und meine Brüder sind mir hinterhergelaufen. Einer will mit dir zeichnen – er hat Tafel und Kreide mitgebracht, siehst du? Und der andere hat eine Rohrpfeife und eine Flöte mitgebracht. Er will, dass du ihm etwas vorspielst. Ich hatte aber zuerst die Idee, zu dir zu kommen. Bitte, bitte, lieber Opa, sag ihnen, dass sie nach Hause gehen sollen.“

„Von wegen, stimmt überhaupt gar nicht!“, fiel ihr der Knabe mit der Tafel ins Wort. „Ich wollte als Erster zu dir kommen, und dann ist mir mein Bruder mit der Flöte gefolgt.“

„Ihr zwei Opas, bitte entscheidet ihr, wer von uns zuerst kam“, piepste die Kleine. „Aber entscheidet, dass ich die Erste war, sonst werde ich ganz, ganz doll weinen.“

Lächelnd und zu Tränen gerührt, betrachtete der Weise seine Großneffen. Er suchte angestrengt nach einer weisen Bemerkung, dann aber schwieg er. Sein jüngerer Bruder fackelte nicht lange, sondern nahm die Flöte seines Enkels und sprach: „Kinder, es gibt keinen Grund zu streiten. Tanze nur, mein reizendes Zappelinchen, und ich werde auf der Flöte dazu spielen. Und du, mein kleiner Musikus, wirst mich mit deiner Rohrpfeife begleiten. Ja, und wen haben wir denn da noch – unseren kleinen großen Maler! Du wirst unser Tanzen und Musizieren zeichnen. Also los – auf geht’s!“

Der jüngere Großvater spielte auf der Flöte eine fröhliche, wundervolle Melodie, und seine Enkel begleiteten ihn, jeder in seiner Kunstrichtung. Der Rohrpfeifenspieler, der später einmal ein großer Musiker werden sollte, bemühte sich, den Takt nicht zu verfehlen. Die Kleine mit ihren roten Bäckchen sprang und hüpfte kreuzfidel wie eine Ballerina, während der andere Enkel die fröhliche Szene auf seiner Tafel skizzierte.

Der Weise schwieg. Ihm war eine Einsicht gekommen… Als der Trubel vorbei war, stand er auf uns sprach zu seinem Bruder: „Lieber Bruder, sicher erinnerst du dich noch an den alten Meißel und den Hammer unseres Vaters. Bitte gibt sie mir. Ich will eine wichtige Lektion in Stein hauen. Ich gehe jetzt und komme wahrscheinlich nie wieder. Halte mich bitte nicht auf und warte auch nicht auf mich.“

Der ältere Bruder ging. Zusammen mit seinen Schülern kam der ergraute Mann zu einem großen Stein an einer Wegbiegung. Es war der gleiche Stein, von dem er einst seine große Reise begonnen hatte, dem Lockruf der großen Weisheit in ferne Länder folgend. Der Weise hielt an und machte sich daran, eine Inschrift in den Stein zu hauen. Als er dann am späten Abend fertig wurde, war er von der Arbeit ganz ermattet. Seine Schüler lasen den folgenden Text:

 

Was du suchst, o Wanderer, trägst du bereits in dir. Nichts Neues wirst du auf deiner Reise finden, vielmehr verlierst du mit jedem Schritt.

(aus: Schöpfung. von Wladimir Megre (2013) S. 161-166)

 

Stichwort: #Urvertrauen.
#zerdenken #warumichmeinStudiumhinterfrage #allesistbereitsindir #DasAlteWissen.

Danke für eure Aufmerksamkeit.

Eure Nena ♥

26.3.17 20:05, kommentieren

Reisen ohne Fahrplan

.. naja, genau genommen hatte ich einen. Aber wer oft mit der Bahn unterwegs ist, kennt das Problem. "Wir bitten um Ihr Verständnis". Naja, nicht so doll, wenn man planmäßig 10 Stunden Fahrt vor sich hat, und dies nun auf 1,5 Tage ausgeweitet wurde. Aber die Hostelrechnung bekommen sie. Wie dem auch sei, damit sind all die Ideen, die ich hatte, irgendwie aus den Fugen geraten. Ich wollte z.B. Freitags mit dem Fahrrad die Gegend erkunden, weil an dem Tag das Wetter gut vorhergesagt wurde. Nun, alles war anders.

Die Nacht in Paris war wunderbar! Im Grunde unspektakulär, ich war schließlich geschafft vom Tag, aber abends beim Blick auf die Stadt von der Hostelterasse aus, zeigte sie sich wirklich von ihrer schönsten Seite. Der Louvre leuchtete in grün (es war ja schließlich St. Patrick's Day *-*) und der Eifelturm war auch erkennbar. Am nächsten Morgen hatte ich dann noch Zeit, ein wenig durch die Straßen zu schlendern und mich mit der Metro auseinanderzusetzen ^^ Ich hab keine der Klassischen Touri-Orte gesehen, aber dennoch wunderschöne. Der Jardin du plantes, der Place de la Republique, die Seine, dieses komische Modehaus (von außen ^^) und noch einige kleine Sachen im Vorbeigehen.

Die Fahrt zu meinem eigentlichen Reiseziel war dann sehr entspannt und mit Telefon wurde ich dann in den richtigen Ort navigiert. Endlich angekommen, musste ich noch warten, bis meine Freundin, die ich besuchte, Arbeitsschluss hatte, was mir aber zum ausruhen sehr gelegen kam. Es wurde ein entspanntes ankommen. Am Wochenende sahen wir uns die Stadt an, trafen einen Bekannten und aßen auf französische Art. Besonders begeistert hat mich der Anblick einer 200 Jahre alten libanesischen Zeder. Ich habe sowieso eine starke Bindung zu dieser Baumart, aber diese atemberaubende Größe zu sehen hat mich tief beeindruckt!


Sprachlich bin ich ziemlich stolz auf mich. Fremdsprachen fallen mir extrem schwer, und auch wenn ich automatisch ins Englische rutsche beim Sprechen, so kann ich dennoch 70% vom Gesprochenen verstehen! Außerdem hab ich schon selbst bestellt, selbst ein Paket zur Post gebracht und war einkaufen. Bin ein bisschen stolz auf mich ^^ Sonst übernimmt meine Freundin das Sprechen, wofür ich ihr sehr dankbar bin!


( Was macht man in Frankreich? Korrekt, Souvenirs shoppen :D )

Alles in allem war es ein wirklich schönes Erlebnis, wofür ich echt dankbar bin! Leider etwas verregnet, weshalb das Fahrrad tatsächlich unbenutzt im Keller stehen blieb, aber dennoch bilde ich mir ein, mich hier ein bisschen umgesehen zu haben. Vielleicht fahr ich ja irgendwann nochmal  hier her. Die Bretagne möchte ich gern nochmal sehen. Sie ist zwar nicht weit von hier weg, aber die Zeit gibt diese Möglichkeit im Moment nicht her.

Was ich euch sagen möchte, ist, dass es wirklich lohnenswert ist, ohne genauen Ablaufplan zu reisen. Geht durch die Straßen und seht sie euch aufmerksam an. So bekommt ihr vielleicht nicht all die Touri-Sehenswürdigkeiten, aber einen echten Einblick in das Land, in das Gefühl der Leute hier, und das ist wirklich schön, glaubt mir.

So und jetzt genieß ich weter mein hier-sein für den letzten Tag.

 

Mit den besten Grüßen an euch,
eure
Nena ♥

2 Kommentare 21.3.17 12:25, kommentieren