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Aufwachen ist die einzige Chance,die wir haben!
 
 

Familie Teil II

Hey ihr Lieben,

ich weiß heut gar nicht, was ich zuerst schreiben soll.. in meinem Kopf schwirren grad so viele Ideen zu verschiedensten Themen..
Aber gut, fangen wir mit einem nach dem anderen an.

Heute also – weil es mich so glücklich macht – meine Familie.

Stellt euch folgendes Szenario vor:

Omas 70. Geburtstag. Nachdem ihre einzige Tochter ihr noch bei den Einkäufen geholfen hat, kamen am Sonntagmittag dann die Enkelkinder und die Verwandtschaft von weiterweg. Auch ein langjähriger Freund ist da. Alle sitzen ausgelassen im Garten, machen ein paar Erinnerungsfotos und genießen den sonnigen Tag. Als die derzeit im Ausland lebende Enkeltochter anruft, kann diese die Glückseligkeit förmlich durch den Hörer spüren.

Klingt nach dem typischen Leben der kleinen Nena in ihrer funktionierenden Welt?
Ja, glücklicherweise ist es aus meinem Leben.
Aber warum erzähl ich euch das?

1.weil ich es wichtig natürlich finde, dankbar zu sein. Habt ihr eine Familie, die zufrieden bei Festen zusammensitzen kann? Wow, das ist wunderbar! Es gibt nur noch so wenige davon. Seid dankbar dafür! Eine Familie ist so etwas Wichtiges..

Und 2. – der eigentliche Grund – weil es nicht immer so war. Ganz im Gegenteil! Ich hatte es in einem älteren Beitrag schon mal angemerkt. Meine Mama und ihre Mutter haben ca 6 Jahre nicht miteinander geredet. Böse Worte sind gefallen, Kälte bei der Erinnerung ist regelrecht zu spüren. Einen Vater gibt es nicht, Geschwister ebenso wenig. Es gab immer nur die beiden, und deren Verhältnis war immer eher negativ behaftet. Auch meine Schwester und ich haben kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Zu viel ist passiert, zu oft wurden wir klein gehalten, nicht ernst genommen, negativ bewertet. Und vor allem: Zu viel Beachtung lag für sie auf dem, was die anderen gesagt haben (denen aus dem Ort), sodass sie und gar nicht mehr zugehört.. nein, gar nicht erst gefragt hat, wie es wirklich war.
Damals war ich 13. Und habe sehr gut verstanden, was Sache war.
Ich wollte keinen Kontakt mehr. Wer so mit meiner Mutter umgeht, der kann mir gern gestohlen bleiben, danke.

4,5 Jahre später.
Mein 18. Geburtstag stand an. Und durch verschiedene Zufälle wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass man nur eine Familie hat und auf diese Acht geben sollte. Wer weiß, was morgen ist.
Also rief ich sie an, um sie zum Familienkaffee einzuladen. Mehr aus arrogantem Stolz, dass ich – im Gegensatz zu ihr – den Arsch in der Hose hab, mal aus dieser Trotzphase rauszukommen.
Mit einem ein wenig kaltem Lächeln stellte ich ihr meine 4 und 3 jährigen Geschwister (ihre Enkelkinder) vor. Sie hätte sie alle schon lange kennen können. Hat sich aber geweigert, mal auf uns zuzukommen.. es wäre ja unser Job, ihr sie vorzustellen.. „Ich habe keine weiteren Enkelkinder. Ich hab ja noch nie welche zu Gesicht bekommen“ Sagte sie mir noch vorher am Telefon.
Irgendwie traurig, oder?
Aber ich nahm es ihr nicht übel. Sie war mindestens 5 Jahre allein. Und eigentlich auch schon mehr oder weniger vorher. Alles, was sie früher als alleinerziehende Mutter über Wasser gehalten hat, war ihr Stolz. Dazu kam irgendwann Verbitterung, Kälte..

Nun habe ich mir aber in den Kopf gesetzt, ihr zu zeigen, dass es anders geht, dass mir Familie wichtiger ist als Recht zu behalten.

Oh man, die erste Zeit war das echt anstrengend. Stellt euch eine Frau vor, die 5 Jahre niemanden wirklich zum erzählen hat (nur halt manchmal, wenn sie unter Leute kommt, aber eigentlich niemals zu Hause) und die verbittert an die von dir geliebten Menschen denkt. Ich musste mir oft auf die Zunge beißen, um nichts sehr scharfes oder zynisches zu sagen.
Eines Tages hatte sie meinen Bogen aber überspannt. Hat mich mal wieder als kleines Mädchen dargestellt, was nicht weiß, was sie sagt, und dass das, was sie sagt, nur leere Worte sind. Boa, war ich sauer. Und das habe ich sie auch spüren lassen. Ich habe ihr gesagt, was ich denke, ohne Blatt vor dem Mund (allerdings mit entschärfendem „Tut mir leid, dass ich das jetzt so sagen muss, aber..).
Das war letztes Jahr zu ihrem Geburtstag und danach war wieder eine Weile nichts.

Einiges später brachte ich dann allerdings mal die Kleinen zu ihr. Die beiden haben sich sehr wohlgefühlt! Wollten gar nicht wieder nach Hause. Oma war glaube ich glücklich und etwas wehleidig, dass sie schon so viel verpasst hat, zur gleichen Zeit.. Ich kam noch ein paar weitere Male mit den beiden vorbei. Allerdings stand meine Irlandreise bald bevor und Mama und Oma bewegten sich immer noch bei recht eisigen, verhärteten Temperaturen.
Aber Weihnachten ist ja glücklicherweise das Fest der Liebe und Familie, nicht wahr? :D
Wir kamen bei ihr zu Besuch.
Mama, die Kinder, ich.
Und bis auf einen Moment, in dem Mama schmerzlich an den Kontaktverlust zu ihrer Familie erinnert wurde, war es ein schöner Tag.
„Vielleicht kann deine Mama ja mal mit den Kindern vorbei kommen, wenn du weg bist“
Aha, gucke an.. (;

Und auch wenn ich daran gezweifelt habe, hat sie es gemacht. Immer mal, wenn sie Zeit hatte.
Die Telefonate mit meiner Oma veränderten sich. Wo ich mir vorher bei jedem zweiten Satz auf die Zunge beißen musste, weil bei der Frage „hey, wie geht’s dir? – Ach, naja, es geht irgendwie. Man gewöhnt sich halt daran, dass man allein ist, aber ist ja auch schon egal.“ mein Kopf sie am liebsten mit „DU HÄTTEST DARAN JA AUCH WAS ÄNDERN KÖNNEN! UND HEUL DICH VERDAMMT NOCHMAL NICHT BEI DER AUS, DIE ES ZU KITTEN VERSUCHT!!“ anschreien würde, entstand langsam ein glücklicher, zufriedener Unterton ihrerseits. So, wie man das von Omas eigentlich kennt (bzw. kennen sollte).

Tja und dann war da ihr Geburtstag. Es waren nicht nur Mama und die Kleinen da, sondern auch meine ältere Schwester, die bis zum Schluss noch mit ihr auf Kriegsfuß stand. Und sie waren im Garten, den sie lange hat verkommen lassen, aber jetzt wieder aufleben lässt.
Und sie klang so glücklich.
Und sie war es auch.
Nach unendlich vielen Jahren der Einsamkeit hat sie ihre Familie wieder.
Und ich glaube, sie weiß jetzt, was sie daran hat und wird es nicht mehr missen wollen. Mit dem Wissen können sicher Streitereien gelöst werden, ohne dass sich die Fronten gleich wieder verhärten.
Ich wünsche es mir sehr!

 

Ich hoffe im Übrigen auch sehr, dass euch diese Geschichte inspiriert hat.
So unwahrscheinlich, wie es am Anfang wirke, als die kleine, naive Nena versucht hat, die Fronten zu zähmen und ihre Welt zu retten, so real ist es am Ende geworden.
Ich hab im Grunde nur das Rad zu laufen gebracht. Der Wunsch, die Mama bzw. Tochter bzw. Familie wieder zu haben, schlummerte in uns allen.
Also versucht es doch mal: Schluckt euren Stolz runter und geht eure Liebsten wieder in euer Leben holen. Es lohnt sich. Versprochen. ♥

Eure Nena ♥

10.6.16 15:44

Letzte Einträge: Metaphorisch ?, Fastenzeit 2017, Seminar-Event-Begleitung, "Wann werden Sie leben? Wann?, Lebenszeichen

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Exhausted / Website (10.6.16 19:35)
Das ist eine sehr schöne Geschichte und freut mich - für mich ist die Familie auch so ziemlich das Wichtigste. Gleichzeitig habe ich genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Ich bin seit Jahren mit meiner Schwester zerstritten - oder sie eher mit mir. Das ist die Art von Streit, bei der man nach Jahren gar nicht mehr richtig weiß, worum es da eigentlich geht und einem irgendwann die Vermutung kommt, dass die Situation, in der der Streit begonnen hat, wohl in Wirklichkeit nur der Auslöser war. Wir haben uns immer wieder gezofft. Meine Schwester ist jetzt jedenfalls seit einigen Jahren schon sauer auf mich - und bestraft unsere Mutter direkt mit. Ich bin ähnlich wie du der Ansicht, dass soetwas schade und irgendwie auch unnötig ist. Vor ein paar Jahren habe ich damit begonnen, darüber nachzudenken, was ist, wenn unsere Mutter eines Tages nicht mehr da sein wird und dass meine Schwester dann vermutlich bereuen wird, so gehandelt zu haben. Also meldete ich mich bei ihr - schriftlich, weil das die einzige Möglichkeit ist, sie zu erreichen. Ich bekam eine ziemliche Abfuhr und ich habe es in den letzten vier oder fünf Jahren immer wieder versucht, auf alle möglichen Arten und jedes Mal mit dem Blick nach vorne statt irgendwelche Vorwürfe oder dergleichen zu machen. Trotzdem. Mittlerweile habe ich es aufgegeben und ich persönlich komme damit auch weitgehend zurecht. Aber wegen unserer Mutter tut mir das echt weh, weil mir bewusst ist, wie schlimm das für sie sein muss. Meine Schwester meldet sich zumindest am Geburtstag und an Weihnachten bei ihr. Mich meidet sie komplett und ich nehme an, dass das auch an Dingen liegt, für die ich im Grunde nicht mal was kann.


Ich lese deine Einträge gerne, eben weil sie so von gutherzigem Optimismus geprägt sind. Du hast auf jeden Fall auch Recht, dass es sich lohnt, diesen Schritt zu gehen. Ich bin ihn mehrmals gegangen und es hatte zwar nicht die erwünschte Wirkung, aber zumindest beruhigt es mich, zu wissen, dass es nicht an meiner eigenen Sturheit gescheitert ist.


nena (10.6.16 19:53)
Hey
Danke für deine Worte.. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr belastend ist. Mich hat es in meinem Fall lange nicht interessiert, obwohl es mir für Mama natürlich auch leid tat. An deren Situation könnte ich aber selbst nichts ändern. Die beiden sind irgendwann an einem Punkt gekommen, ähnlich wie bei dir- nach mehreren Versuchen immer wieder auf.. ja worauf? Sturheit, stolz, versteckte emotionale wunden getroffen.
Bei mir war also glaube ich der springende Punkt, dass ich von mir aus und für mich mit meiner Oma Kontakt wollte. Ganz egoistisch. Das kam aber alles mit de Zeit.. vielleicht ist es bei dir und deiner Schwester ja auch irgendwann so..
Und wenn nicht: hast du ja immernich deine Mama..

Beste grüße, nena


Exhausted / Website (11.6.16 00:08)
Ja, vielleicht kommt das mit der Zeit. Ich bezweifel es aber. Familie ist zwar etwas Tolles, aber ich habe mittlerweile aufgehört, so zu tun als müsste man sich mit seiner Familie verstehen, nur weil es die Familie ist. Damit meine ich: Wir werden in eine Familie hineingeboren und allein dadurch fühlen wir uns diesen Menschen schon meist tief verbunden. Trotzdem kann es passieren, dass wir uns mit einem dieser Menschen einfach nicht verstehen. Bei meiner Schwester und mir ist das so. Wir könnten kaum unterschiedlicher sein. Wobei Unterschiede bereichernd sein können. Unterschiede können aber auch dazu führen, dass man ständig wieder neuen Konflikten und Krisen ausgesetzt ist. Das hängt ganz von der Art der Unterschiede ab.

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