Gedanken einer Erwachten

lieben, glauben, kämpfen - leben!
 
 

Schwäche: Menschen wieder ins System eingliedern

Falls ihr es nicht hören wolltet:

Die Welt ist scheiße. Der Blick auf die Neubausiedlung gibt doch im Grunde schon die komplette Antwort, warum so viel falsch läuft.

Mein Traum ist es, Jugendlichen, und damit der Welt zu helfen. Ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Weg zu finden. Dazu studier ich Soziale Arbeit und da gehört natürlich auch die Praktikumserfahrung dazu, so viel wie möglich. Und das mach ich auch gern, eben um Erfahrung, Lebensweisheit, zu sammeln und in meinen Kopf einsortieren zu können. Viel kann ich nach dem 1. Semester natürlich noch nicht bewirken, aber beobachten und ihnen ganz kleine Hilfen mit auf den Weg geben, das reicht mir schon. Mein Ziel wäre, jedem, oder wenigstens der Hälfte einen optimistischen, zukunftsweisenden Gedanken zu geben. Etwas, womit sie ein klein wenig mehr an sich selbst glauben.

Aber wisst ihr was? Soziale Arbeit geht mir in der Form jetzt schon gegen den Strich. Im Grunde passen wir die Kids nur wieder ans System an, damit sie darin klar kommen. Natürlich, zurechtkommen ist eine gute Sache und alle, die dabei helfen: ihr macht eine gute Arbeit! Ihr gebt euer Bestes, klar. Aber ich kann und will das nicht. Diese Kids sind mit 13 Jahren schon komplett emotional am Arsch. Kein wirkliches zu Hause weil die Mutter die Drogentherapie nicht geschafft hat, zu viel Druck aus dem guten Elternhaus, in dem man nicht gut genug ist, um sich erhobenen Hauptes an den Familienkaffeetisch zu setzen.. all sowas. Die Jugendlichen werden gefördert, theapiert, "bearbeitet". Und alle, die in dem Bereich arbeiten, wissen: eigentlich sind es die Eltern, die "bearbeitet", gefördert und in die richtige Bahn gelenkt werden müssen! Aber dann hab ich weiter überlegt. Wie hilfreich ist denn "die richtige Bahn"? Und welche ist das überhaupt? Wir leben im Pluralismus, im Hamsterrad. Immer mehr, immer weiter, immer höher. Alles ist möglich aber gleichzeitig auch nur schwerlich anerkannt. Die Gesellschaft schickt uns in Muster, angeschoben und gezerrt von Werbung, Pharmazie, undurchdachtem, für alle ersichtlich nicht funktionierenden Schulsystemen. Alles spitzt sich zu. Die "Globalisierungsverlierer" werden ähnlich behandelt wie "Kollateralschäden". Ist halt so. Kann man nichts machen.

Wie blind sind die Menschen eigentlich?
Oder nein, wie lange machen sie mit diesem Wahnsinn noch weiter, OBWOHL sie genau wissen, dass uns unser tägliches, "normales" Handeln den Abgrund entgegenbringt. Wir sind kurz davor. Und ich hab nichts besseres zu tun, als Jugendlichen, die eigentlich noch Kinder sind, aber Probleme der Großen tragen müssen und mit 12 rauchen, zu erklären, dass sie jetzt diese Übung aus der systemischen Sozialarbeit machen sollen? Ich soll mit ihnen Bwerbungen schreiben, obwohl "alle" vorher schon wissen, dass das absolut unnütz ist, weil niemand daran glaubt, dass die irgendwer nimmt?
Bevor man Bewerbungen schreibt, braucht man doch eine Vision, ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann und will. Nein, darauf achtet niemand. Man bewirbt sich, weil man das können muss. Weil man Geld verdienen muss. An Träume erfüllen denkt bei den "Problemkids" gar keiner überhaupt noch.

Und genau diese Symtombekämpfung macht mich grad verrückt. Angebote hier, Angebote da. Ich fang auch schon damit an. Am liebsten würd ich grad einfach mein Studium schmeißen, mein Grundstück kaufen und mit meiner Visionsrealisierung beginnen. Gleich heute. Ohne es jahrelang studiert zu haben. Man kann Sachen nämlich auch zerdenken. Kaputt machen, bevor sie begonnen haben.

Heute ist nicht mein Tag. Klassisches: in die Ecke setzen und über die pure Grausamkeit der Welt heulen. Aber das geht nicht. Meine wunderbare einsame Wohnung ist weit von mir entfernt. Also sei tapfer, Nena. Die Welt dreht sich weiter. Und auch wenn du weißt, das genau das das Problem ist und du sie gern aufhalten würdest, bis alle begriffen haben, was verdammt zu tun ist, wird es schon gut werden. Ich weiß, du gibst dein Bestes. Dein neuer Grundsatz ist geworden: alles was deiner geliebten Mutter Erde hilft und gut tut. Und das machst du richtig so! Bleib dabei!
Und was deine Kids im Praktikum angeht..? Tja, das weiß ich auch nicht. Halt durch. Nimm alle Erfahrungen mit. Wandel sie in Gutes. Wie, das kannst du dir heut abend überlegen.

In Liebe,
eure
Nena ♥

1.2.17 16:24

Letzte Einträge: Metaphorisch ?, Fastenzeit 2017, Seminar-Event-Begleitung, "Wann werden Sie leben? Wann?, Lebenszeichen

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marie / Website (1.2.17 18:11)
Schwierige Thematik, aber ich gebe Dir bei vielen Punkten absolut recht. Teilweise werden Probleme geschaffen, die eigentlich gar keine sind oder es früher nicht waren. Das die Eltern ganz oft das eigentliche Problem darstellen, wird oft verkannt. Das Elternhaus, welches zu viel von den Kindern erwartet, einen Erfolgsdruck ausübt etc. oder eben die suchtkranken Eltern etc. etc. Aber wo fängt man an und wo hört man auf. Und ich glaube das Richtige Handeln oder Umgehen gibt es nicht. Es sind Versuche, die halt leider oft scheitern oder zum scheitern verurteilt sind. Einzelfälle schaffen es. Ich habe oft mit unbegleiteten geflüchteten Minderjährigen zu tun, auch dass passt in das Schema. Manche wollen durchaus, das sieht man auch ein Licht, aber dann wieder viele andere, wo eben nichts hilft. Ich verstehe Dich da vollkommen. LG, Marie


Nena (2.2.17 15:01)
Ja, schwierige Thematik, du hast Recht. Und sowas schwirrt in meinem Kopf rum. Ständig. Ist manchmal sehr erdrückend. Und dann sehr befreiend, dass einfach mal rauszulassen.
Die Sache ist, ich habe mittlerweile einen Lösungsweg gefunden, der einfach in unendlich vielen Bereichen (und es werden in meinem Kopf immer mehr und komplexere Sachverhalte)perfekt ist. Wirklich. Je mahr ich darüber nachdenke, desto Sinn-voller wird er. Er wird auch schon an verschiedenen Teilen der Erde umgesetzt, was wundervoll ist. Nur manchmal will ich einfach, dass es endlich alle verstehen. Auch wenn ich weiß, dass Zeit lassen und Langsamkeit wichtig und unerlässlich sind.

Danke für deinen Kommentar und deine Gedanken!
In guten Gedanken an dich,
Nena ♥

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