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Aufwachen ist die einzige Chance,die wir haben!
 
 

Reifeprüfung oder "warum wir lernen"

Warum lernen wir?
Wir lernen, zu verstehen, was die Welt ausmacht, was sie bewegt, erschüttert und still stehen lässt. Wir lernen, zu begreifen, was um uns herum geschieht und was die Folgen aus unseren Taten sind.

An einem Punkt, den wir Anfang nennen, begann eine Reise. Eine Reise, die uns durch viele Zeiten führte, die uns dann und wann sehr schwer vorkam und die uns letzten Endes eines zeigen sollte: Den Grund, aus dem wir lernen.

Und so kam es, dass viele Geschichten geschrieben wurden. Aus Tagen wurden Wochen und aus den Abenden lange Nächte, die verschwommen unsere Erinnerungen durchgeistern. Es zeigte sich, wer durchhalten konnte. Die Prüfungen wurden schwerer und nicht ein jeder hielt Schritt. Gesichter verließen den Weg und die Menschen, bei denen sie stets anzutreffen waren. Neue folgten, hatten das Ziel fest vor Augen. Der Seitenwind blies zuweilen stark. Schwankende Gestalten formten Silhouetten vor dem Licht des Mondes, der die geistige Umnachtung in den Klassenzimmern zu erhellen versuchte. Die Stunden wurden länger und länger, schienen nie zu enden. Doch jetzt, da sie alle vorüber sind, wünschen sich manche das Klingeln am Ende der Pause womöglich zurück. Es war alles geregelt, auch wenn die Regeln an sich anscheinend nur dazu da waren, gebrochen zu werden. Wo einem heute ein Lächeln über das Gesicht huscht, rutschte einem damals das Herz in die Hose, als die Schritte des Lehrers zu hören waren, wenn man gerade zur falschen Zeit am falschen Ort war oder sich das Aufgetragene einfach nicht anfinden ließ.

So kamen auch die Noten zustande, die unsere Leistungen widerspiegeln sollen. Wer kann gut rechnen? Wer schlau kombinieren? Wer beherrscht das gesprochene und das geschriebene Wort? Und wer ist der Herr der schönen Künste? Das alles kann kein Blatt Papier bezeugen. Das alles kann keine Zahl ausdrücken. Wir lassen uns nicht beschreiben in Formalien und Dokumenten. Wir sind zu Menschen geworden, die wissen, was sie aus macht, was ihre Fähigkeiten sind. Der Druck der Welt und der Leistung ist schwer zu tragen, doch uns wurde gelehrt, ihn hinzunehmen und stolz in die Welt zu schreiten. Alleine gehen wir nicht. Unser Bündel tragen wir auf immer selbst, doch unsere Hoffnung, unser Glück und unsere Freude am Leben teilten wir in der Vergangenheit und werden wir auch in Zukunft weiter teilen.

Hier stehen wir am Scheideweg, wo sich alle Straßen trennen. Was vor uns liegt, ist ungewiss. Was hinter uns zu finden ist, erstrahlt in der Sonne der Toskana. Wohin wir uns auch immer begeben, wir wissen, wo wir heute waren. Wir wissen, wo die Wurzeln unseres Selbst liegen. Und wir wissen, dass dieser Moment nur für diesen Abend unendlich ist. Alle Himmelsrichtungen stehen offen und führen zu Orten, die wir bald zu Hause nennen werden. Vielleicht sind wir schon erwachsen, vielleicht liegt das Erwachsenwerden aber noch vor uns. Wer definiert schon, was „erwachsen“ bedeutet? Am Ende sind wir es, die beschließen müssen, wann die rechte Zeit gekommen ist, die alten Denkweisen hinter sich zu lassen, sich zu öffnen und nicht nur mit aufmerksamen Augen, sondern auch mit offenen Armen in die Zukunft zu gehen. Heute wäre ein guter Zeitpunkt dafür, doch das Leben ist lang.

Ab diesem Punkt ist es wichtig, danke zu sagen. Danke an all die, die uns begleitet haben. Die, die wir Teufel, Künstler, Vorbild und Lehrer nennen. Sie alle sind dafür verantwortlich, dass wir heute gemeinsam das Ende unserer Schulzeit begehen und feiern dürfen. Wir sind alle Sieger, die zusammen auf Podest einer offenen Welt stehen. Ohne die Menschen in diesem Raum oder in unseren Gedanken wäre all dies nicht möglich gewesen. Sie gaben uns Hoffnung, Mut, Motivation doch allem voran gaben sie uns nie auf. Wie viele Flüche auch immer an manchen Namen haften, wir müssen überlegen, ob ihre Träger diesen wirklich gerecht werden. Hiermit spreche ich im Namen des diesjährigen Abiturjahrgangs meinen Dank an alle aus, die uns hierher geführt haben. Danke für die Unterstützung und Mut, den sie uns –wenn auch oft mit scharfer Zunge- gegeben haben.

Was haben wir nun gelernt? Wir haben gelernt, dass wir zu vielem fähig sind. Dass wir die Welt nicht verändern, sie aber bewegen können, auch wenn es nur unsere eigene ist. Wir haben gelernt, dass Freundschaft und Familie die Stützpfeiler einer jeden Jugend und eines jeden Lebens sind. Wir haben gelernt, dass Bildung nicht durch Zahlen auszudrücken ist und dass wir keine bloßen Zahlen sind. Wir haben gelernt, dass es noch viel zu lernen gibt.
Darum lernen wir.

 

Diese wunderbaren Worte wurden von einem wahnsinnig lieben & tollen Klassenkameraden & Freund verfasst und zu unserer Abifeier gesprochen. Warum lernen wir? Diese Frage habe ich mir in 12 Jahren Schule oft gestellt, die poetische Antwort dazu gab er.

Das letzte Mal Schule also. Vorerst. Selbstverständlich wurde das ausgiebig gefeiert & ich hoffe sehr, dass ich diesen Abend, diese ganze Zeit so schnell nicht vergessen werde.

 

In Liebe,
eure
Nena ♥

30.6.15 21:36

Letzte Einträge: Metaphorisch ?, Fastenzeit 2017, Seminar-Event-Begleitung, "Wann werden Sie leben? Wann?, Lebenszeichen

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


flo / Website (30.6.15 22:04)
danke, dass du uns teilhaben laesst, an diesen worten!!
eine gute schule, gute lehrer und: eine gute rede,
wie ich finde.
lalles liebe.


Dorehn / Website (30.6.15 23:02)
...na, dann darf man wohl zum bestandenen Lebensabschnitt ganz herzlich gratulieren!


Maccabros / Website (1.7.15 06:31)
sehr schöne Wörter...

wobei wir niemals auslernen und die Reise, das Leben, auf immer neuen Wegen erfahren...

LG

Maccabros


Nena (1.7.15 20:59)
Danke liebe Dorehn, Danke Flo.
Aber den dank an die zauberhaften Worte müsst ihr an Calli - den Autor - richten. Sind leider nicht meine eigenen

Liebste Grüße an euch alle ♥

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